Für dieses Thema gibt es sicher reichlich Kochrezepte.
Es gibt nicht nur den einen, richtigen Weg, sondern viele
Wege, die nach Rom führen.
Der hier beschriebene Weg funktioniert (wenigstens für
mich) und das seit mehr als 20 Jahren.
Vor dem Saitenwechsel stimme ich den Bass noch mal durch. Wieso wird gleich klar.
Wer kein Stimmgerät greifbar hat, dafür aber einen PC mit Soundkarte und Lautsprecher, kann folgendes kleines Soundbeispiel zum Stimmen verwenden:
Zu hören ist
Die höchste Saite zuerst, dann runter bis zur tiefsten (eines 4-Saiters). Vielleicht hilft es ja.
Ich wechsele die höchste Saite zuerst und arbeite mich zur
tiefsten Saite durch.
Dabei wechsele ich eine Saite nach der anderen, damit der
Zug am Hals einigermaßen gleich bleibt.
Wenn man alle Saiten auf einmal runter nimmt, ändert das
nicht nur erheblich den Zug am Hals und ergibt
"Stress", man hat auch keine Referenz beim Stimmen
der neu aufgezogenen Saiten.
Der "Stress" am Hals, wenn man alle Saiten auf einmal
runter nimmt, wirkt nicht so, dass da immer gleich etwas zu
Bruch geht oder direkten Schaden nimmt, aber es ist aus
meiner Sicht ein unnötiges Risiko, das man nur dann in Kauf
nehmen sollte, wenn man das Griffbrett reinigen und/oder die
Bünde schleifen will oder solche Dinge.
Damit ich nicht ohne Ende am Wirbel der Stimmmechaniken drehen muss, schneide ich die Saiten nach dem Durchziehen etwa fünf bis sechs cm länger ab. Ich ziehe die Saite unten durch bis zur Stimmmechanik und gebe dann eben noch besagte fünf bis sechs cm zu. Abschneiden, dann das Ende von oben in die Mechanik schieben bis zum Anschlag, um 90° knicken und dann mit Hilfe des Wirbel die Spannung anziehen. Am Anfang drauf achten, dass die Saite stramm an der Mechanik liegt. Sobald die Saite sich vom Griffbrett hebt die Spannung langsamer steigern. Nicht übertreiben, sonst reißt die Saite noch und das kann wortwörtlich ins Auge gehen!
Wenn ich eine neue Saite aufziehe, dann stimme ich sie nicht gleich auf die korrekte Tonhöhe, sondern erst mal eine Quarte tiefer (also wie die Saite davor). Damit kann ich die Tonhöhe sehr bequem vergleichen und ich kann weit ziehen ohne es zu riskieren, dass die neue Saite gleich reißt.
Jetzt geht es ab. Ich greife mir die Seite in der Mitte (12. Bund) und ziehe diese mehrfach langsam, aber bestimmt weg vom Griffbrett. Danach stimme ich die Saite nach. Das mache ich solange, bis durch das Ziehen der Saite die Tonhöhe sich nicht mehr merklich verändert. Ich ziehe deswegen in der Mitte, da sonst die Saitenstärke durch das Ziehen an anderer Stelle asymmetrisch werden kann, und dann stimmt die Saite in sich nicht mehr.
Danach stimme ich die Saite vorsichtig auf die korrekte Tonhöhe und ziehe wieder am 12. Bund die Saite (aber nicht mehr so weit und etwas lockerer). Ich stimme wiederholt nach und ziehe bis die Stimmung stabil bleibt.
Bei der tiefsten Saite ist die Zwischenstation mit der Quarte tiefer mangels tieferer Referenzsaite nicht möglich. Da stimme ich dann gleich auf die korrekte Tonhöhe und stimme dann nur noch "fein" wie in 5. beschrieben.
Nachdem die neuen Saiten drauf sind, quäle ich sie kurz, besonders gerne mit Slap und vor allen Dingen Pop (Saite hochziehen und auf das Griffbrett schnalzen lassen). Danach stimme ich nochmals durch und dann hält die Stimmung in der Regel sehr gut. Die ganze Prozedur dauert nicht sehr lang und man spart sich viel ärger.
Wie gesagt, dies ist weder der einzige, noch automatisch der beste Weg Saiten zu wechseln. Für mich hat das allerdings auf jeden Fall immer gut so funktioniert und ich muss in der Regel nur dann nachstimmen, wenn sich die Raumttemperatur (und ggf. die Raumfeuchte) gravierend verändert hat.