Bass Saiten wechseln

Für dieses Thema gibt es sicher reichlich Kochrezepte. Es gibt nicht nur den einen, richtigen Weg, sondern viele Wege, die nach Rom führen.
Der hier beschriebene Weg funktioniert (wenigstens für mich) und das seit 1987.

1. Stimmen

Vor dem Saitenwechsel stimme ich den Bass noch mal durch. Wieso wird gleich klar.

Wer kein Stimmgerät greifbar hat, dafür aber einen PC mit Soundkarte und Lautsprecher, kann folgendes kleines Soundbeispiel zum Stimmen verwenden:

Zerberus-P-Sustain.mp3

Zu hören ist

  1. G (98,0 Hz)
  2. D (73,4 Hz)
  3. A (55,0 Hz)
  4. E (41,2 Hz)

Die höchste Saite zuerst, dann runter bis zur tiefsten (eines 4-Saiters). Vielleicht hilft es ja.

2. Wechseln

Ich wechsele die höchste Saite zuerst und arbeite mich zur tiefsten Saite durch.
Dabei wechsele ich eine Saite nach der anderen, damit der Zug am Hals einigermaßen gleich bleibt. Wenn man alle Saiten auf einmal runter nimmt, ändert das nicht nur erheblich den Zug am Hals und ergibt "Stress", man hat auch keine Referenz beim Stimmen der neu aufgezogenen Saiten.
Der "Stress" am Hals, wenn man alle Saiten auf einmal runter nimmt, wirkt nicht so, dass da immer gleich etwas zu Bruch geht oder direkten Schaden nimmt, aber es ist aus meiner Sicht ein unnötiges Risiko, das man nur dann in Kauf nehmen sollte, wenn man das Griffbrett reinigen und/oder die Bünde schleifen will oder solche Dinge.

3. Aufziehen

Damit ich nicht ohne Ende am Wirbel der Stimmmechaniken drehen muss, schneide ich die Saiten nach dem Durchziehen etwa fünf bis sechs cm länger ab. Ich ziehe die Saite unten durch bis zur Stimmmechanik und gebe dann eben noch besagte fünf bis sechs cm zu. Abschneiden, dann das Ende von oben in die Mechanik schieben bis zum Anschlag, um 90° knicken und dann mit Hilfe des Wirbel die Spannung anziehen. Am Anfang drauf achten, dass die Saite stramm an der Mechanik liegt. Sobald die Saite sich vom Griffbrett hebt die Spannung langsamer steigern. Nicht übertreiben, sonst rei&szlih;t die Saite noch und das kann wortwörtlich ins Auge gehen!

Wenn ich eine neue Saite aufziehe, dann stimme ich sie nicht gleich auf die korrekte Tonhöhe, sondern erst mal eine Quarte tiefer (also wie die Saite davor). Damit kann ich die Tonhöhe sehr bequem vergleichen und ich kann weit ziehen ohne es zu riskieren das die neue Saite gleich reißt.

4. Stimmen (grob)

Bevor ich mit dem Ziehen an Saiten anfange, drücke ich die Saite oberhalb des Sattels runter und direkt am Anfang der Brücke. Dann stimme ich kurz nach.

Nun greife ich mir die Seite in der Mitte (12. Bund) und ziehe diese mehrfach und bestimmt weg vom Griffbrett. Danach stimme ich die Saite nach. Das mache ich solange, bis durch das Ziehen der Saite die Tonhöhe sich nicht mehr merklich verändert. Ich ziehe deswegen in der Mitte, da sonst die Saitenstärke durch das Ziehen an anderer Stelle asymmetrisch werden kann, und dann stimmt die Saite in sich nicht mehr. OK, das ist sehr wahrscheinlich nicht wirklich hörbar, aber die Mitte ist sicher keine schlechte Stelle zum Ziehen der Saite.

5. Stimmen (fein)

Danach stimme ich die Saite vorsichtig auf die korrekte Tonhöhe und ziehe wieder am 12. Bund die Saite (aber nicht mehr so weit). Ich stimme wiederholt nach und ziehe bis die Stimmung stabil bleibt.

6. Tiefste Saite

Bei der tiefsten Saite ist die Zwischenstation mit der Quarte tiefer mangels tieferer Referenzsaite nicht möglich. Da stimme ich dann gleich auf die korrekte Tonhöhe und stimme dann nur noch "fein" wie in 5. beschrieben.

7. Einspielen

Nachdem die neuen Saiten drauf sind, quäle ich sie kurz, besonders gerne mit Slap und vor allen Dingen Pop (Saite hochziehen und auf das Griffbrett schnalzen lassen). Danach stimme ich nochmals durch und dann hält die Stimmung in der Regel sehr gut. Die ganze Prozedur dauert nicht sehr lang und man spart sich viel Ärger.

8. Nachwort

Wie gesagt, dies ist weder der einzige, noch automatisch der beste Weg Saiten zu wechseln. Für mich hat das allerdings auf jeden Fall immer gut so funktioniert und ich muss in der Regel nur dann nachstimmen, wenn sich die Raumttemperatur (und ggf. die Raumfeuchte) gravierend verändert hat.

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